NETZ UND TRENDS

Nichts als Whatsapp?

e-mail

Doch - gibt es. Die Alternativen sind gut bis besser. Diese Anwendungen stehen im Übrigen beruflichen Verwendern offen, denen standesrechtlich oder auch wegen Datenschutzerwägungen mancher Konzerne …

Whatsapp verwehrt bleibt. Die beiden Schweizer Anwendungen Threema und Teleguard erfreuen sich zunehmend Beliebtheit. An die rund 60 Millionen Nutzer von Whatsapp reichen sie nicht heran. Threema wurde schon vor zehn Jahren entwickelt. Die App kostet einmalig vier Euro für die iOS oder Android Verwendung. Ihr Verbreitungsgrad wird nach eigener Aussage mit einem Marktanteil von vier bis acht Prozent im deutschsprachigen Raum beziffert. Bei Anmeldung müssen weder die Mobilfunknummer noch eine E-Mail-Adresse angegeben werden. Man erhält eine Threema ID. Audio- und Videoanrufe sind möglich und ebenfalls einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterzogen. Die Chat-Verläufe landen nicht in den USA, die Server stehen in der Schweiz. Mit Threema Work gibt es ein Angebot für Unternehmen und Organisationen, die auf Datensicherheit besonderen Wert legen.

Die zweite eidgenössische Rohrpost moderner Provenienz heißt Teleguard. Etwa eine Million Nutzer haben diesen Dienst für sich entdeckt, der erst seit 2021 erhältlich ist. Auch hier wird auf persönliche Daten weitgehend verzichtet, also weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse sind erforderlich. Das Unternehmen greift weder auf Metadaten noch IP-Adressen zu und die verschickten Nachrichten werden nur so lange vorgehalten, bis sie den Empfänger erreicht haben. Danach werden sie von den Servern, die sich ebenfalls in der Schweiz befinden, gelöscht. Video- und Audiokonferenzen sind für bis zu fünf Teilnehmern möglich. Eigene Community-Richtlinien wenden sich explizit gegen Gewalt und Pornografie. Die App ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.

Wer will, kann wechseln und den Flow der Nachrichten auf sichere Bynchen stellen. Allein, wahrscheinlich ist im Kollegen und Freundeskreis einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Prima Projekte

Speicherstick

Vorhaben in Planung heißen Projekte. Diese bestimmen vielfach den Alltag in Universität und Industrie. Im Laufe der Zeit wurden und werden hier Flipcharts und selbstkomponierte Exceltabellen von digitalen Werkzeugen ersetzt und kommen als Projektmanagement-Software zum Einsatz. Das Produkt „Asana“ …

gehört dazu und sammelt Punkte bei der Anwendung. Unter einer Oberfläche laufen Projektmanagement, Aufgabenverwaltung und Kommunikation. Es zählt derzeit zu den beliebtesten Programmen weltweit. Ideengeber waren Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz und der Ingenieur Justin Rosenstein, die hiermit die Produktivität der Mitarbeiter von Facebook steigern wollten. 2008 gingen sie dann mit Asana als Unternehmensgründer an Start. Eine übersichtliche Benutzeroberfläche erleichtert Einstieg und Bedienung. Die Dashboards und Listen im Zentrum der Software orientieren sich an der klassischen Kanban-Methode. Hierbei werden bestehende Prozesse in kleine Schritte zerlegt und optimiert. Das Risiko des Scheiterns durch eine große Veränderung reduziert sich signifikant.

Auf Projektvorlagen kann bei Asana zugegriffen werden und eigene erstellte Modelle lassen sich wiederverwenden. Nutzen verspricht die vorhandene E-Mail-Integration, mithilfe derer Nachrichten direkt in ausführbare Aktionen umzuwandeln sind. Etwas Facebook schimmert durch. Es gibt den gefälligen Daumen und die hochgeladenen Daten werden von Asana gespeichert und dürfen explizit zu internen Analysezwecken verwendet werden. Für den Einsatz in sensiblen Bereichen lohnt sich daher das Studium der AGB und Datenschutzerklärungen. Die preisliche Staffelung ist wiederum attraktiv. Es gibt eine kostenlose Basis-Version für Einsteiger und den Premium-Tarif für 9,95 Euro pro Monat und Nutzer für die versierteren Anwender. Projekt-Profis können auch den Businesstarif wählen, der mit 18,75 Euro pro Monat und Nutzer zu Buche schlägt. Für das Enterpreis-Paket gibt es dann auf Anfrage ein individuelles Angebot. Projektarbeit ist spannend, der Friedhof versandeter Vorhaben allerdings auch riesig. Projektmanagement via Software ist keine schlechte Trainingshilfe beim Durchhalten des Projektweges.

ERFAHRUNGEN UND ERFOLGE

Variation und Vielfalt vertieft

Entscheidungsgewalt

Vielfalt und leichte Abänderungen der Abläufe vertiefen und intensivieren die Lernprozesse. Das gilt für Sport wie auch für Sprachen oder andere Lerninhalte. Zu Beginn gibt es Hürden, ...

so die Neuroforscher um Limor Raviv vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Arnheim. „Mehr Variabilität erschwert zu Beginn den Lernerfolg, führt aber am Ende zu einer besseren und umfassenderen Leistung“. Die Beispiele, die die o. g. Erkenntnis stützen, reichen vom Sport, hier Tennis, bis hin zu Alltagssituationen. Auch die Gemeindegröße des Ortes, in dem man aufwächst, hat Auswirkungen. Menschen, die in Ortschaften mit weniger als 1000 Bewohnern leben oder ihre Jugend verleben, können sich später Gesichter schlechter merken als Leute, die aus größeren Städten ab 30.000 Einwohner kommen.

Das Funktionsprinzip des menschlichen Gedächtnis gibt die Erklärung. Eine Erinnerung, die abgerufen wird, speichert das Gedächtnis leicht neu formatiert. Die Wiederholung stärkt die neuronale Zuordnung, was für Vokabeln wie Bewegungsabläufe gleichermaßen gilt. Variiert das Training, zwingt dies zu einer besonderen Aktivierung der verknüpften Erinnerungen. Man praktiziert unbewusst. „Deep Learning“ mit dem Erfolg, dass der Erfahrungshorizont wächst und dem Abruf mehr Zugriffspunkte zur Verfügung stehen.

Für Weiterbildung und Einarbeitung können diese Erkenntnisse interessant sein. Ob allerdings häufiger Bürowechsel oder Kollegenaustausch die Eingewöhnung erleichtert oder die Sachkenntnis vertieft – die wissenschaftliche Garantie hierfür bleibt abzuwarten.

Watt willze?

Pinocchio

Das Modell, bei dem jeder Arbeitnehmer selbst bestimmt, wie viel er verdient, gab es (vielleicht immer noch). Es funktioniert. Verschiedene Parameter müssen jedoch zur Anwendung kommen, damit es ...

länger als fünf Jahre seinen Zweck erfüllt. Diese Erfahrung machte ein Londoner Unternehmen und zieht durchaus positive Bilanz. Die Mitarbeiter fühlten sich fair behandelt, ihr Selbstvertrauen war gefördert und das Gender-Pay-Gap (Frauen erhalten weniger Salär bei gleicher Arbeit) wurde geringer oder verschwand. Wo war der Haken? Die Mitarbeiter legten die Bezahlung diskursiv fest, was einen etwas längeren Prozess auslöste. In der Tech Branche ist das ein Nachteil, denn die dienlichen Bewerber sind schnell vom Markt gefischt. Hinzu kam, dass besonders geeignete Kandidaten mit ihren Gehaltsvorstellungen und -möglichkeiten das Gefüge sprengten. Da halfen auch innerbetriebliche Gimmicks wie Kinderbetreuung, Meditationsraum und anderes wenig. Sie wurden daher nicht eingestellt.

Dennoch, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ein solches self-set-pay-model (wir sagen, was wir verdienen wollen) in kleineren Unternehmen Erfolgschancen hat. Der Chef muss allerdings überzeugt bleiben. Im Londoner Fall sorgte ein wachsendes Machtvakuum für die schleichende Demotivation des Bosses. Wenn alles auf Augenhöhe stattfindet und Handlungen sich erst aus mühsamen Erörterungen ergeben, bleibt die Arbeit liegen.

Das knabbert auf Dauer am Erfolg. Ein ähnliches Phänomen lässt sich auch in Unternehmen beobachten, die traditionell entlohnen. Hier erweisen sich Dauermeetings als Effizienztorpedos. Apropos knabbern - die Rückführung zu klassischer Bezahlung hat sich in unserem Beispiel als weniger problematisch ergeben denn gedacht. Gemäß des alten Sprichwortes „Liebe geht durch den Magen“ zaubern Köche drei warme Mahlzeiten kostenlos für die Mitarbeiter.

ENTWICKLUNG UND BEISPIELE

Drei Minuten Mühe

Holzpuppe

„Was du heute kannst besorgen“, kennt man als Spruch vielerorts. Dies zu beherzigen fällt manchen schwerer als anderen. Im Kern geht es darum, die Dinge, die unangenehm erscheinen, ...

in der Erledigung nicht nach hinten zu schieben. Ideal wäre es, sie zuallererst anzugreifen. Dem stellt aber der innere Schweinehund gern ein Beinchen. Die Psychologin Jennifer Wild hat eine interessante Variante erforscht. Zunächst 180 Sekunden soll man eine ungeliebte Aufgabe angehen. Nach Ablauf der drei Minuten kann man, wenn denn gewollt, die Tätigkeit wieder einstellen. Dabei ist es egal, ob in dieser Zeitspanne die Aufgabe zu erledigen ist. Die Schwelle war ausreichend niedrig, sodass die Probanden das Ungemochte angingen. Sie stellten fest, dass es leichter fiel als angenommen. Aus drei Minuten wurden sechs, dann neun und schon war die Mühe-Hürde bewältigt. Untersuchungen der Universität Oxford ergaben, dass 98 Prozent der Teilnehmer nach Ablauf der 180 Sekunden weitergearbeitet hätten. Ihnen war gelungen, mithilfe dieser kleinen Selbstüberlistung die manchmal pathologische Störung des extremen Aufschiebens (Prokrastination) zu überwinden. Zugegeben, der lateinische Begriff mutet etwas sperrig an. In Anlehnung an den Beitrag „Variation und Vielfalt vertieft“ sei daher noch der Gegenbegriff erwähnt, Präkrastination (alles möglichst schnell erledigen).

Möge aus der Kombination der Begriffe die Erinnerung nachhaltiger werden. Und wer weiß, vielleicht enden mit der 3-Minuten-Regel viele kommende Tage erfolgsgekrönt.

Introvertiert erfolgreich

Ordnungsprinzip

Introvertierte Menschen werden als zurückhaltend und schüchtern wahrgenommen, eher leise und distanziert. Im Fokus heutiger Arbeitswelt befindet sich oft der Extrovertierte. Dennoch steht der Karriere ...

eines In-Sich-Gekehrten nichts im Wege. Es gilt, den vermeintlichen Nachteil in einen Vorteil umzumünzen. Erfolg steuert sich nicht nur über den Mittelpunkt, auch die Seitenlinie gibt Sprungbretter. Ein kooperativer Führungsstil bietet sich an, der die Mitarbeiter mit großer Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit ausstattet. Viele Fragen werden im Team abgearbeitet und geklärt. Die Entscheidungen können schnell getroffen werden und hängen nicht an der letzten Instanz Chef. Der erweiterte Gestaltungsraum führt nicht selten zu hoher Zufriedenheit im Team und damit zu deutlich weniger Krankentagen. Die Kompetenz des Unternehmens hängt nicht an einer charismatischen Galionsfigur. Die Unternehmenskultur definiert sich über die Sichtbarkeit aller Beteiligten.

Möglicherweise hat die Pandemie dazu beigetragen, dass der oben beschriebene Typus als Führungsperson oder Mitarbeiter sichtbarer geworden ist. Im Homeoffice und Videokonferenzen gelten andere Konversationsregeln denn am runden Tisch. Das kommt dem Introvertierten zu Gute. Der leise und sachkundige Beitrag ist hörbar und findet damit die Wertschätzung, die im direkten Diskurs womöglich untergeht.

BÜCHER UND ARTIKEL

Eine eigene Kategorie

Die Erde ist eine Scheibe?

Plattformen im Internet sind geläufig. Google und Facebook sowie YouTube gehören zu den großen Beispielen. Was aber genau sind sie? Lassen sie sich in ...

gekannten Begriffen verorten und definieren? Michael Seemann verneint dies in seinem Buch „Die Macht der Plattformen“. Seiner Ansicht nach handelt es sich nicht nur um eine neue Technologie oder ein neues Geschäftsmodell. Sie sind eigenständige Modelle sozialer Organisation, die neben Markt, Staat und Unternehmen eine eigene Kategorie beanspruchen. Genau das ist das Problem. Das Phänomen Plattform befindet sich noch einmal auf einer anderen Ebene als die multinationalen Konzerne herkömmlicher Provenienz. Plattformen müssen nach Ansicht Seemanns als neues Regulierungsprinzip gesehen werden, das zunehmend an die Seite und in Konkurrenz zu Nationalstaaten tritt. Facebook organisiert nicht nur die Kommunikation von 2,8 Milliarden Menschen, dem Unternehmen gelingt sogar die zielgenau Ansprache einzelner Nutzer. Stichworte sind hier Data-Mining und Individualisierung qua Algorithmus.

Im unregulierten virtuellen Raum verschafft dies eine Machtfülle, da die hier eingesetzten Algorithmen mindesten so geheim sind wie anno dazumal die Coca-Cola-Rezeptur. Wahrheit und Wahrscheinliches unterliegt besonderen Maßstäben. Jeder bekommt das vorgesetzt, was er sehen möchte und fühlt sich somit in Richtigkeit der eigenen Wahrnehmung bestätigt. Die Click-Rate bestimmt über die Verwendung von Inhalten, unabhängig von wahr oder fiktiv. Es bedarf keines übermächtigen Abstraktionsvermögens, um sich vorzustellen, dass unseriöser Beeinflussung Tür und Tor geöffnet sind und werden. Die Einhegung der Plattformen scheint überfällig. Seemann schlägt mit seinen Überlegungen und Definitionen eine Grundlage vor, die einen öffentlichen Diskurs kundig in Gang bringen könnte.

Seemann, Michael: "Die Macht der Plattformen. Politik in Zeiten der Internetgiganten", Berlin 2021, Ch. Links Verlag, 448 Seiten, 25 Euro.

Nicht lustig

Depressionen sind nicht lustig, auch wenn dieses Thema in Buchform von dem bekannten Komiker Kurt Krömer behandelt wird. Es geht um die literarische Aufarbeitung der Erkrankung ...

des Autors. Er ist nicht der Erste, der sich ins Licht der Öffentlichkeit begibt. Sein Beitrag zeigt einmal mehr, dass dieses seelische Leiden keine gesellschaftliche Randerscheinung ist. Spätestens seit dem Freitod des Fußballtorwartes Robert Enke wurde klar, dass weder Beruf noch Alter davor schützen. Wie geht man damit um? Letztlich wird die Beantwortung dieser Frage individuell von medizinischen Fachkräften zu beantworten sein. Lesenswert bleibt die literarische Fallakte Krömer allemal. Vielleicht liegt es daran, dass man den Erzähler sieht und hört. Man wartet auf die humoristische Volte. Womöglich entdeckt man diese auch, denn Tonfall und Mimik von Kurt, der bürgerlich Alexander Bojcan heißt, sind für den Leser als spaßig abgespeichert. Nur bei genauerem Lesen wird klar, dass es Krömer bitterernst ist. Er schreibt flüssig und leicht, ohne Pose, Larmoyanz oder selbstmitleidigem Beifallsgeheische. Seite für Seite entkleidet sich der Autor und macht klar: Diesen Kurt Krömer kennt ihr nicht und übrigens er selbst auch nicht. Die ungeschminkte Selbstanalyse macht eine Stärke des Buches aus. Der Leser, sei er nun selbst betroffen oder durch Freunde oder Kollegen sensibilisiert, findet Zugang zu Depression als Krankheit. Sie wird nicht leichter, aber verständlicher und nachvollziehbarer.

Krömer, Kurt: "Du darfst nicht alles glauben, was Du denkst", Köln 2022, Kiepenheuer&Witsch, 193 Seiten, 20 Euro.

AKTUELLES

Öffentliche Trainings

Unser öffentliches Managementtraining
"Online zur Führungskraft"

Unser nächstes öffentliches Managementtraining
"WANDEL-MACHT-MUT"
findet an den folgenden Terminen statt:



KARIKATUR

Zum Schmunzeln

Zum Schmunzeln

Der Newsletter wurde erstellt mit der redaktionellen Unterstützung von www.beziehungswerk.de.

NETZ UND TRENDS

Einschränkung der Datenkrake

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Kaum zu glauben, ein Big Player der IT-Garde legt sich Fußfesseln an. Apple hat seinem neuen IOS 14 ein paar Datenschutzhürden verpasst, die ein paar IT-Granden im Silicon-Valley nicht gut gefallen. Dafür geht aber bei vielen Nutzern …

der Daumen hoch. Das neue Betriebssystem warnt bei kompromittierten Passwörtern und auch der Transparenz beim App-Tracking wurde deutlich mehr Gewicht eingeräumt. IOS 14 schlägt auch Alarm, sobald eine App auf das Clipboard zugreift. Hierbei handelt es sich um die vermeintlich persönliche Zwischenablage, in der ausgeschnittene oder kopierte Bilder und Texte landen. Besonders TikTok scheint besonders häufig auf das digitale Klemmbrett zu schauen. Allerdings taucht dieses Phänomen auch in Zusammenhang mit Microsoft Teams, Instagram oder dem Reddit-Client Apollo auf. Google Chrome bietet so zum Beispiel den Komfort, eine vorab kopierte URL direkt im Browser aufzurufen.

Viele Apps verraten den genauen Standort. Im jüngsten IOS gibt es unter „Einstellungen | Datenschutz | Ortungsdienste“ eine neue Funktion: Man kann für jede App einzeln bestimmen, ob iOS den exakten oder nur ungefähren Aufenthaltsort übermittelt. Entscheidet man sich für Option zwei, nennt Apple der jeweiligen Anwendung nur einen beliebigen Ort im Umkreis von 15 Kilometern.

Viele Apps tracken Nutzerdaten nach der Installation ohne vorherige Abfrage automatisch. Auch das soll sich ändern. Hat man eine Anwendung aus dem App Store heruntergeladen und installiert, muss das Tracking explizit erlaubt werden.

Und dann gibt es neuerdings den grünen und einen orangefarbenen Punkt am oberen Bildschirmrand des iPhones oder iPads. Mit dem grünen Punkt zeigt Apple dem Nutzer an, dass die Kamera des iPhones oder iPads aktiv ist. Damit man nicht unbemerkt gefilmt wird oder ein Video aufzeichnet, sollte man auf diesen grünen Punkt achten. Der orangefarbene Punkt zeigt, dass das Mikrofon des iPhones oder iPads aktiviert ist. Auch diese Anzeige ist wichtig. Apps, die Audio aufnehmen, können oft im Hintergrund laufen und so unbemerkt aufzeichnen. Es wird sich zeigen, ob Apple mit diesen Neuerungen im Wettbewerb die Nase wieder ein kleines Stückchen nach vorn schieben kann.

Gar nicht dumm

Speicherstick

Dummheit wurde schon öfter thematisiert, zuletzt und durchaus beachtet in unserem letzten Newsletter. Sozusagen auf vielfachen Wunsch wird nun erneut auf die Dummheit verwiesen, diesmal begrifflich …

zurechtgerückt von Robert Musil. Die vergleichsweise kurze Abhandlung ist die Niederschrift eines Vortrages, den Musil in Wien am 11. März 1937 auf Einladung des österreichischen Werkbundes hielt. Man merkt dem Autor an, dass er anfangs Schwierigkeiten mit diesem Thema hat. Dennoch, im Unterschied zu den Verfassern der Texte in „Psychologie der Dummheit“, gelingt ihm der Zugriff auf den Vortragsgegenstand schnell. Er entdeckt anhand der Beispielsuche, dass die Dummheit in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen unterwegs ist und - pardon - häufig im Auge des Betrachters liegt. Sie ist eben häufiger gesellschaftliches oder sprachliches Phänomen als genetisches Gebrechen.

Der Text ist in Buchform und als Kindle erhältlich, wobei die Kindle-Ausgabe kostenlos zu beziehen ist. Sollte man sich intensiver mit der Schrift auseinandersetzen wollen, empfiehlt sich für den ungeübten Kindle-Leser die Papierausgabe. Markierte Textstellen finden sich schnell, wohingegen die Lesezeichensetzung digital erst einmal geübt werden muss. Oder anders gesagt, die Rezeption im Kindle erfordert eine andere Vorgehensweise, wenngleich der Papierleser nicht dümmer ist als der digitale Nutzer. „So hat jede Klugheit ihre Dummheit, und sogar die Tierpsychologie hat in ihren Intelligenzprüfungen herausgefunden, dass sich jedem „Typus von Leistung“ ein „Typus von Dummheit“ zuordnen lasse.“

Robert Musil, Über die Dummheit, urheberrechtfreie Kindle Ausgabe, 0,00 €, alternativ Robert Musil: Über die Dummheit, Edition Holzinger, Taschenbuch Berliner Ausgabe 2016, 3,87 €.

ERFAHRUNGEN UND ERFOLGE

Zum Tod des Papiertigers

Entscheidungsgewalt

Kurt Tucholsky wird der Ausspruch „Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb“ zugeschrieben. Heißt das im Umkehrschluss, dass das papierlose Büro unordentlich sein wird? Oder dass der Papiertiger ...

nicht nur ungefährlich ist, sondern mangels Masse gänzlich zum Fabelwesen mutiert? Seit einem halben Jahrhundert ist es herbeigeredet, nun leert es die Aktenschränke – das papierlose Büro. Das E-Rechnungs-Gesetz von 2016 verpflichtete Länder und Kommunen, bis April 2020 die Voraussetzungen für Empfang und Verarbeitung elektronischer Rechnungen zu schaffen. Der Verkauf hochwertiger Bürodrucker ging in diesem Jahr zurück und doch hält sich der Verbrauch des beschreibbaren Zellstoffes beharrlich bei 500.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Allerdings stieg der Absatz von Druckern, die fürs Home Office geeignet sind. Zu Hause hält man an lieb gewordenen Gewohnheiten fest. Papier ist weiterhin eine Schnittstelle, die die geringsten technischen Voraussetzungen benötigt. Zu bemerken ist dies in Abteilungen, die viel mit externen Partnern zusammenarbeiten. Daneben gibt es die sogenannte Schriftformerfordernis, die derzeit noch für notarielle Dokumente und viele Verträge gilt. Doch auch hier zeichnet sich eine Umstellung in den nächsten Jahren ab. Es wird wohl kommen, das Büro mit Glasfaser statt Aktenschrank.

Die letzten Gefechte finden derzeit statt. Der Nachteil des papierlosen Büros sei die Informationsflut; wird geregelt durch verbindliche E-Mail-Etiketten. Eine wissenschaftliche Studie zur Zukunft des Lesens ergab, dass längere Informationstexte besser auf Papier als vor Bildschirm verstanden werden; mag sein. Jüngst korrigierte eine neue Studie die Erkenntnisse einer älteren Untersuchung, die den Stift als mächtiger denn die Tastatur festschrieb. Der Medienpsychologe Malte Elson von der Ruhr-Universität Bochum bezweifelt das. "Die meisten Jugendlichen haben schlicht und ergreifend keine Übung darin, an einem Gerät zu lernen, das so viele Ablenkungsmöglichkeiten bietet wie ein Computer." So oder so, wer schreibt, der bleibt oder auch: Der Papiertiger ist tot, lang lebe der Digitaltiger!

KI als Mogelpackung

Pinocchio

Nicht überall, wo KI draufsteht, ist auch Künstliche Intelligenz enthalten. Es verkauft und erklärt sich gut, wenn die Zauberformel des 21. Jahrhunderts Effizienz und Modernität verspricht. Es reicht derzeit, KI zu ...

rufen und schon wird dem Start-up das Konto auskömmlich gefüllt. Stewart Russel, Professor an der Universität von Kalifornien in Berkeley, sieht bei 80 Prozent der Fälle, in denen mit KI geworben wird, falsche Informationen. Tatsächlich haben Begriff und Inhalt seit Ihrer Erwähnung in der US-amerikanischen Stadt Dartmouth 1954 einen Prozess in viele Richtungen durchlaufen. Derzeit wird mit KI maschinelles Lernen aus großen Datenmengen verbunden. Dieser Vorgang ist aufwendig und teuer, muss der Rechner immer wieder Trainingsdatensätze durchlaufen, mit den Zielvorgaben vergleichen und die Variablen neu wichten. Nicht selten verändern sich die Referenzdaten und erfordern daher stetigen Neustart. Unternehmen, die mit einfachen Algorithmen operieren, haben diesen Investitionsbedarf nicht, lassen dies aber sehr gern unerwähnt. Das lohnt sich auch anderweitig. Beispielsweise Start-ups, die im Bereich der künstlichen Intelligenz angesiedelt sind, liegen bei ihren Finanzierungsrunden 15 bis 20 Prozent höher als andere.

Es gibt noch einen weiteren Vorteil, mit dem Label künstlicher Intelligenz zu arbeiten. In Studien wurde deutlich, dass Menschen bisweilen Maschinen mehr anvertrauen als menschlichen Beichtpartnern. Sie glauben, ihr Bekenntnis bliebe in der Anonymität der Maschinenwelt. Der Rosstäuscher ist halt ein Metier, dass nicht ausstirbt. Man arbeitet nur anders. So entstanden Unternehmen, die Mitarbeiter dafür bezahlen, sich wie Maschinen zu verhalten, um dann ihr System als maschinelles Lernen zu verkaufen. Die gute alte praktische Einsichtsvermögen des Menschen wird wohl noch ein bisschen gebraucht – und sei es, um falsche Intelligenz zu entlarven.

ENTWICKLUNG UND BEISPIELE

Der bewegte Mensch

Holzpuppe

Aller guten Dinge sind drei. Daher nehmen wir die dritte Auflage „Menschen bewegen, Das Buch für Führungskräfte“ zum Anlass, ausnahmsweise einen Beitrag in eigener Sache vorzustellen ...

Anfangs als Begleitbüchlein zu den Führungsseminaren gedacht, hat sich die Schrift zu einem umfangreichen Buch entwickelt. Was unterscheidet nun die dritte Auflage von den zwei Vorherigen? Es ist selbsterklärend, die Teilnahme an Trainings der 3LINES ist nicht mehr vorausgesetzt. Die Themen sind aufgelistet und ausführlicher behandelt, sodass sich das Buch als Nachschlagewerk verwenden lässt. Ein schneller Blick beispielsweise in die Kapitel Entwicklungs- und/oder Tadelsgespräch ergänzt noch einmal die Vorbereitung auf solche Gespräche, ohne erneut alle Teilbereiche durcharbeiten zu müssen. Der Praxisbezug ist allgegenwärtig. Die Beispiele sind tatsächlichen Aufgabenstellungen von Unternehmen entnommen. Der Charakter eines Handbuches wird zudem unterstrichen, da für Führungssituationen konkrete Formulierungsvorschläge empfohlen sind.

Die Chronologie der Kapitel wurde überarbeitet und ergänzt. Sichtbar, denn der Umfang legte noch einmal um gut 40 Seiten zu. Der Ratgeber kostet 39,90 €, für Teilnehmer der öffentlichen Trainings 19,90 €, bestellbar über: info@3lines.de

Joachim Karbe, Thomas Hudler, Menschen bewegen, Das Buch für Führungskräfte, 3. Auflage Juli 2020, ISBN 978-3-9820687-0-1, 238 Seiten, 39,90 €.

Mut zum kurzen Müßiggang

Ordnungsprinzip

Oft scheint die Selbsteinschätzung, wie lange man konzentriert arbeiten kann, zu optimistisch angesetzt. Der Zeitraum für fokussierte Verrichtung schwankt - man traut sich kaum, es zu schreiben – zwischen ...

zehn und 45 Minuten. Nach 4 Stunden sacken die kognitiven Fähigkeiten deutlich ab. Ist die von acht bis fünf Regelung des Arbeitstages nicht eine Fehlkonstruktion? Zunächst mal nicht, denn die Rede ist davon, mit hoher Konzentration zu arbeiten. Wiederkehrende Routinen fressen weniger Energie. Womöglich setzen sie aber auch schöpferische Potenziale frei. Es ist bekannt, dass große Geister ihre Routinen, Rituale oder bestimmte Eigenarten pflegten, um kreative Höchstleistungen abzurufen. Ablenkung war verpönt. Sie hat nichtsdestotrotz evolutionsbiologische Ursachen. Jeder Reiz konnte Gefahr oder Beute bedeuten, die Bereitschaft zum Fokuswechsel war überlebenswichtig. Ein solcher Stellenwert kommt der Kurzweil des Alltagslebens nicht zu. Dennoch, gute Ideen entstehen nicht zwangsläufig hoch konzentriert am Schreibtisch. Oft braucht es die assoziative Gedankenwanderung, um ein Bild, einen Plan oder einen Text zu stimmig zu vollenden.

Konzentration ist gut und wichtig. Sie funktioniert jedoch oft im Wechsel mit der Ablenkung. Man denke nur an einen Begriff, eine Person, die nicht einfällt. Sobald man den Gedanken loslässt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man sich an das Gewünschte erinnert. Dabei muss es nicht immer die Flasche Jack Daniels sein, es reicht auch ein Blick aus dem Fenster.

BÜCHER UND ARTIKEL

Good Vibrations

Die Erde ist eine Scheibe?

Peter Arbeitsloser bekommt einen Delfinvibrator, den er nicht will. Na und könnte man sagen. Aber jetzt geht es los, denn die Geschichte spielt in der Zukunft und der Verfasser Marc-Uwe Kling hat dort ...

ein Szenario ausgedacht, das sich so absurd wie durchaus wahrscheinlich liest. Deutschland heißt Qualityland. Die Menschen sind in Level kategorisiert, die den sozialen und finanziellen Status bestimmen. Der Nachname der Hauptfigur Peter entspricht dem Beruf eines Elternteils, was für alle anderen Bürger ebenfalls gilt. Die Welt ist durchalgorithmisiert und so verschickt der Versandgigant The Shop Produkte, die die Menschen wollen, was sie aber bis zum Eintreffen des Produktes nicht wussten. Beim Delfinvibrator für Peter handelt es sich offensichtlich um eine Fehlberechnung und der Rückgabeversuch verläuft komisch kafkaesk á la „das System hat immer recht“. Kling lässt es kreativ krachen und Freunde des schrägen Humors kommen auf ihre Kosten. Versprochen.

Mittlerweile gibt es einen zweiten Band, in dem der Inhaber von The Shop den guten Peter entführen lässt, weil sich die Vibratorverweigerung herumgesprochen hat. Eine Keimzelle für Widerstand ist nicht vorgesehen und das System schlägt zurück. Die Geschichten um Peter Arbeitsloser sind auf dem besten Weg, Kultstatus zu erlangen, und so verwundert es nicht, dass HBO sich die Serienrechte an „Qualityland“ gesichert hat. Zur Erinnerung: Home Box Office, kurz HBO, ist ein US-amerikanischer Fernsehprogrammanbieter mit Sitz in New York, der auch „Game of Thrones“ produzierte.

Marc-Uwe Kling, Qualityland, Ulstein Verlag, Berlin 2017, 382 Seiten, 11 Euro.

Über Pöbel und Populisten

Befindet sich die Demokratie tatsächlich in der Krise, weil jeder den Slogan „Wir sind das Volk“ für sich reklamiert? Dies ist eine der zentralen Fragen, denen der Bremer Politikwissenschaftler Philip Manow ...

in seinem Essay „(Ent-) Demokratisierung der Demokratie“ nachgeht. Seine zentrale These lautet, dass die politische Situation gleichermaßen vom Wachsen und Schwinden demokratischer Prozesse geprägt ist. Manow verweist beispielsweise auf den Umstand, dass durch die Erfolge populistischer Parteien und Führer die Demokratie eben nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen ist. Diese Mandate sind durch Wahl zustande gekommen. Das geht in der gegenseitigen Bezichtigung, antidemokratisch zu sein, gerne ein bisschen unter. Die Volksvertretung wird von Populisten wie Liberalen beansprucht. Im Ergebnis führt dies zur Verhärtung der Fronten. Hinzu kommt, dass die Teilhabe an politischen Prozessen und Entscheidungen weniger Einschränkungen unterliegt. Damit verlieren die herkömmlichen Parteien, deren institutionalisierten Entscheidungsprozesse lange Zeit für Berechenbarkeit sorgten, zunehmend an Bedeutung.

Wer sich die Frage stellt, wie beispielsweise das Phänomen Trump zu erklären ist, hat eine gute Chance, das Wie und Warum deutlicher nachvollziehen zu können. Allerdings ist ihm auch hiermit kein Werkzeug an die Hand gegeben, die Welt ein für alle Mal erklären zu können.

Philip Manow, (Ent-)Demokratisierung der Demokratie, Suhrkamp Verlag, Berlin 2020, 160 Seiten, 16 Euro.

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